Jean Tonglet : Frischer Wind dank neuem Erscheinungsbild
Editorial Revue Quart Monde Nr. 215 (August 2010)

Mis à jour le mardi 15 février 2011.

Die "Revue Quart Monde" hat ihr Erscheinungsbild nun zum dritten Mal innerhalb ihres vierundzwanzigjährigen Bestehens aufgefrischt. Als Nachfolgezeitschrift der Revue Igloos, an der ebenfalls wiederholt Änderungen vorgenommen wurden, orientiert sie sich sowohl inhaltlich als auch formal am Zeitgeist. Wir hoffen, dass das aufgefrischte und übersichtlichere Erscheinungsbild Sie anspricht und zum Lesen verführt. Natürlich hoffen wir auch, dass Sie die Revue weiterempfehlen und so zu ihrer Verbreitung beitragen.

Bei dieser Gelegenheit möchten wir auf die Gründe eingehen, die uns motivieren — trotz des grossen Aufwands — diese Revue unermüdlich weiterzuentwickeln, abwechslungsreich zu gestalten und immer weiter zu verbreiten. Wie bereits der Gründer von ADT Vierte Welt, Père Joseph Wresinski, im Editorial einer der ersten Ausgaben von Igloos schrieb, muss man “etwas kennen, um es zu lieben, aber auch lieben, um es besser zu verstehen.“ So zieht die Revue ihre Daseinsberechtigung aus dem Wissen darüber, was die Ärmsten unter uns erleiden und was sie im täglichen Kampf gegen das Elend leisten müssen. Sowohl das Wissen über die Veränderungen der Welt als auch das Wissen, das durch Beobachtung und Analyse der wirtschaftlichen Lage und durch den Dialog und den fruchtbaren Austausch zwischen den einzelnen Fachgebieten entsteht, sind weitere gute Gründe für die Existenz der Revue. Wir sind überzeugt, dass auch im Zeitalter der Informationsgesellschaft, des Internets und der Blogs, die alle ebenfalls sehr spezifische Interessen abdecken, eine Quartalszeitschrift wie Quart Monde ihre Daseinsberechtigung hat. Unser Bestreben, sie unentwegt weiterzuentwickeln, und unser Anspruch, ein breites Spektrum an vielfältigen Themen, Perspektiven und Meinungen zu bieten, machen sie so einzigartig. Die Revue lässt Menschen zu Wort kommen, die Armut am eigenen Leib erfahren, Menschen, die sich gegen das Elend engagieren, und Wissenschaftler und Akademiker, die ihr fundiertes Wissen einbringen. Dank der Gegenüberstellung verschiedener Meinungen, der Analyse und der daraus gewonnenen Erkenntnisse spielt die Revue eine wichtige Rolle als Mittlerin zwischen unserer und der Vierten Welt und hilft uns dabei, die sich bietenden Chancen auch wahrzunehmen.

An dieser Stelle erscheint es uns wichtig — zumindest am Rande —, auf den kürzlich erschienenen Bericht der Vereinten Nationen einzugehen, der sich mit den Fortschritten hinsichtlich der Umsetzung der Millenniumsziele befasst. Darin wird verkündet, dass die extreme Armut (die aber rein aufgrund eines Kaufkraftvergleichs berechnet wird) stark zurückgegangen sei, obschon in Wirklichkeit die Anzahl Menschen, die unterernährt sind und keinen Zugang zu Wasser und zu sanitären Einrichtungen haben, ständig ansteigt. In einer Zeit, in der sowohl bei der Armutsbekämpfung als auch in vielen anderen Bereichen häufig Unklarheit herrscht, bemüht sich die Revue Quart Monde auf bescheidene, aber wirksame Art etwas mehr Transparenz zu schaffen. Wie der französische Schriftsteller Albert Camus einst sagte : „Die Dinge falsch zu benennen, heisst das Unglück der Welt zu vergrössern.“ Nur indem wir unaufhörlich unser Wissen vertiefen und durch den fruchtbaren Austausch mit denjenigen lernen, die selten miteinbezogen werden, leisten wir einen Beitrag zu tragfähigen Lösungen gegen das Elend in dieser Welt.

Wichtig ist einerseits, dass die Revue einen höheren Bekanntheitsgrad erlangt, sie ein breiteres Publikum erreicht und aus ihr häufiger zitiert wird, andererseits aber auch, dass sie immer mehr Menschen abonnieren und immer mehr Autoren darin einen Beitrag verfassen. Wir hoffen, dass das neue Erscheinungsbild einen frischen Wind mit sich bringt, der zu einer Erweiterung der Leserschaft und einer Zunahme der Abonnenten führt. Unser grösster Wunsch — nämlich dank Ihrer Hilfe in Zukunft ein noch grösseres Publikum zu erreichen — stellt gleichzeitig auch unsere grösste Herausforderung dar.

PS : In dieser Ausgabe fehlt die Rubrik „Fondamentales“. Sie wurde nicht etwa aufgehoben, sondern wird ab der nächsten Ausgabe wieder erscheinen. Es war uns ein Anliegen, an dieser Stelle einen Artikel von Veronica Letemendia zu publizieren. Sie beschäftigt sich anlässlich des 50. Todestags von Albert Camus damit, wie er das Thema Armut in seinem literarischen Werk verarbeitet hat.

Aus dem Französischen übersetzt von Isabelle Kablankan, Aisha Kaufmann und Evelyne Küng